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| Gedanken eines alten Mannes von Hans Werner
Der Abend senkt sich langsam nieder,
verklungen sind die letzten Lieder,
der alte Mensch wird still und sichtet,
was er an diesem schnellen Tage,
sei es zur Freude oder Plage,
für sich und andere verrichtet.
Er löscht die Lampe in dem Zimmer,
nur müde glüht ein letzter Glimmer,
auch seine Augen fallen zu.
Noch singt es in ihm still und leise,
es ist der Mutter fromme Weise,
die sie ihm sang zur Kindesruh.
Wehmütig fängt er an zu weinen,
denkt sehnsuchtsvoll zurück an seinen
so unbeschwerten Kinderfrieden.
So sauber wie ein Seidenkissen
war einst sein kindliches Gewissen
und Gut und Böse streng geschieden.
Nun ist er alt und seine Wege
verkrümmten sich und liefen schräge
fern ab von Redlichkeit und Pflicht.
Wie oft hat es in ihm gestritten,
sein liebend, weiches Herz gelitten:
Du guter Gott, verlass mich nicht
copyright by Hans Werner
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