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Gedichte > Abschiedsgedichte > Untergang

Untergang
von donmedardus

Das Licht, das am Kajütenfenster leuchtet,
vermag es nicht, den Nebel aufzuhell'n.
Der graue Dunst, der Tau und Tuch befeuchtet,
scheint täglich mehr durch jedes Luk zu quell'n.

Es ist, als ob mit eisigkaltem Griffe
er jede Hoffnung aus dem Herz mir zerrt,
als ob an diesem messerscharfen Riffe
mein Lebensschiff zum Untergange fährt.

Ich weiß, es wird mir niemals mehr gelingen
das Ruder hin zu festem Land zu dreh'n.
Das Morgenrot wird keine Helle bringen
und keine Hoffnung in die Segel weh'n.

Nur grauer Gischt, der unerbittlich leckend
in jeder Nacht auf meine Planken sprüht
und ohn' Erbarmen finst're Geister weckend
mir Leck auf Leck in meine Träume glüht.

Da jede Nacht am Mast die dunkle Fahne
als meines Lebens Los im Winde weht
und allzeit mir, der blind in seinem Wahne,
kündet, wohin die Unheilsfahrt nun geht,

ist es, als ob dort oben im Gebinde
ein Schemen, Sense in der Knochenhand,
sein schwarz' Gewand als bösen Hohn im Winde
läßt wehen, während unaufhörlich Sand

im Stundenglase schleichend abwärts rinnet.
Nur eine kleine Frist, mein letzter Rest,
um die mein Hirn stets unermüdlich sinnet
hält meine Hand noch an der Reling fest.

Doch wenn dereinst, von salz'ger Flut belecket,
mein müder Leib in grüner Tiefe ruht
wird wenigstens, wer unten mich entdecket
dann sagen leis': "Zu sinken hatt' er Mut!"?



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